Pocket Battles: Kelten vs. Römer

Krieg in der Hosentasche

Titelbild von Kelten vs. RömerLaut Vorurteil der analogen Gamerszene sind Tabletops aufwendige Sammlungen kleiner Metallfiguren, die mühsam zu jeder Spielsitzung angeschleppt werden müssen. Noch mühsamer ist das kunstvolle Bemalen der winzigen Orks, Elfen und Kriegsmaschinen, die farblos einfach kacke aussehen. Mühsam ist auch der Bau passender Dioramen und Geländeteile. Und was das wieder kostet!

Es gibt also genug Motivationen für einfache Tabletop-Variationen. Wie Pocket Battles: Kelten vs. Römer. Paolo Mori and Francesco Sirocchi haben Miniaturen durch Pappplättchen und Geländemodelle durch die Tischplatte ersetzt. Die Einheiten – in diesem Fall römische Soldaten und keltische Krieger – bestehen aus mehreren Plättchen. Jedes Plättchen steht für ein paar Fußsoldaten oder Reiter, einen Streitwagen oder eine einzelne wichtige Person wie ein Druide oder ein Imperator. Nachdem jeder Spieler eine Armee zusammengestellt hat – die Plättchen haben Punktekosten – legt er die Einheiten als Stapel in seine Hälfte. Dabei ist jede Hälfte unterteilt in Flanken und Mittelfeld sowie in den Hinterraum. In der Mitte liegt die Gefechtszone.

Die Spieler erhalten nun in Relation zum Punktewert seiner Armee Gefechtsmarker. Eine Einheit in einer Runde zum ersten Mal zu bewegen kostet einen Marker, die zweite Bewegung zwei Marker und so weiter. Wird eine Truppe verletzt, dreht der Spieler einen seiner unbenutzten Marker um und legt ihn auf die Einheit. Verletzte Truppen schränken also die Funktionsfähigkeit der eigenen Truppen ein. Die Gefechte erfolgen mit sechsseitigen Würfeln. Je nach Aufdruck der Plättchen erfolgen Treffer, die der Angegriffene unter den Plättchen der getroffenen Einheit verteilt. Dabei kann es strategisch klüger sein, Einheiten zu opfern als viele angeschlagene Truppen auf dem Feld zu haben. Überhaupt hat Pocket Battles: Kelten vs. Römer eine strategische Tiefe. Die Spezialfähigkeiten einiger Truppen wollen sorgfältig eingesetzt werden, die Zusammenstellung der Einheiten ist wichtig und der Überblick über die gegnerischen Truppen sollte nicht verloren gehen. Der Glücksfaktor ist durch die Würfelei natürlich auch elementar.

Die Form stimmt soweit, und der Inhalt ist ansprechend: Römer und Kelten sind auf den Illustrationen von Karim Chakroun stilisiert aber gut zu erkennen. Historische Anspielungen auf Boudicca und spezielle römische Einheiten wie Imaginifer und Kataphrakte runden das Spiel ab. Insgesamt ist Pocket Battles: Kelten vs. Römer eine kurzweilige Alternative zu üblichen Tabletops. Die Spielsitzungen dauern nicht annähernd so lange und für rund 12 Euro erhält der Käufer zwei Armeen. Spannend ist natürlich die mögliche Kombination mit Pocket Battles: Orks vs. Elfen. Falls die Reihe fortgesetzt wird, haben die Pocket Battles echtes Potential.
FM
Pocket Battles: Kelten vs. Römer

Spielfeldaufbau von Kelten vs. Römer

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10 strikes … and you’re out, Fringe

Es klang gut. Vielleicht zu gut. Verrückte Wissenschaftler. Paralleluniversen. Spannung. Und ich hatte mal in eine Folge gezappt, die nicht nur animiert war, sondern auch Zombies aufzuweisen hatte. Also fing ich an, Fringe zu schauen.
Zehn Folgen später habe ich einen ein bisschen unterhaltsamen Akte-X-Abklatsch gesehen und stelle den Konsum ein. Wenn es mich jetzt nicht begeistert, dann war es das. Nur sehr langsam baute sich da ein Plot auf. Folge für Folge geschehen mysteriöse Verbrechen, die von Walter Bishops irren Erfindungen und Olivia Dunhams toughen FBI-Ermittlerfähigkeiten gelöst werden.

Der Irre, die Toughe und der Sohn

Altes Buch vor Bildschirm mit Fringe

Dann doch lieber ein Buch über organische Chemie

Dabei ist das Ensemble durchwachsen. John Noble ist als verwirrter aber genialer Wissenschaftler Bishop einsame Spitze. Die Nuancen einer exzentrischen und gequälten Existenz spielt er gekonnt. Anna Torv fällt in der Rolle von FBI-Agentin Dunham als starke Frauenrolle auf, bleibt aber etwas farblos. Der dritte im Bunde ist Joshua Jackson als Peter Bishop. Der hochbegabte Betrüger wurde vom FBI als Vertrauensperson für seinen Vater Walter ins Boot geholt. Leider überzeugt weder die Rolle noch der Darsteller.
Die Episoden stehen mehr oder weniger für sich, sind aber mit einem sich langsam verdichtenden Plot verbunden. Leider knirscht hier das erzählerische Getriebe. Die einzelnen Geschichten sind zwar spannend, aber Motive und Hintergründe spielen meistens nur schwammig im Hintergrund eine Rolle. Der Zuschauer hat den Eindruck, dass die Bösewichter eine seltsame Schnitzeljagd veranstalten, er aber nur ein Viertel mitkriegt.

Ist der Plot bald da?

Der episodenübergreifende Plot bewegt sich mit der Geschwindigkeit eines Gletschers und genau so viel Spaß macht das Zusehen. Viele mysteriöse Andeutungen und wenig Erleuchtung. Eine Mystery-Serie darf natürlich nicht in Folge eins alles verraten, aber J. J. Abrams und Konsorten täuschen lediglich vor, dass es hier vorangeht. Das Geheimnis ist einfach zu dünn, um 20 Folgen zu füllen. Das war’s, Fringe.
FM

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Gefährten

Schicksalsjahre eines Schlachtrosses

Plakat von Gefährten von Steven Spielberg“Gefährten“ handelt von der Freundschaft zwischen einem jungen Mann, Albert Narracott (Jeremy Irvine) und einem mutigen Pferd namens Joey. Ted Narracott (Peter Mullan), Alberts Vater, braucht eigentlich nur einen Ackergaul zum Pflügen seines Feldes. Er nimmt an einer Versteigerung für Pferde teil und entdeckt Joey, ein Pferd mit Temperament. Ted ahnt schon früh das es sich hierbei um ein ganz besonderes Pferd handelt. Er verschuldet sich sogar, um Joey kaufen zu können. Als er mit dem neuen Pferd nach Hause kommt wird er von seiner Ehefrau (Emily Watson) wegen des hohen Preises zusammengestaucht und anschließend angefleht, Joey wieder zurückzubringen. Doch Ted Narracott ist und bleibt stur wie ein echter Ted Narracott eben stur sein kann. Das Pferd bleibt. Albert ist sofort fasziniert von Joey und erklärt sich bereit ihn zu zähmen und trainieren. Kurz darauf beginnt der erste Weltkrieg und Ted sieht sich gezwungen Joey an einen britischen Kavallerieoffizier zu verkaufen, um über die Runden zu kommen. Joey muss an die Front. Von nun an verfolgt man seine Geschichte in der er verschiedene Freundschaften knüpft und Menschen hilft.

Was fürs Auge

“Gefährten“ erhielt sechs Oscarnominierungen für: den beste Film, das beste Szenenbild, die beste Kamera, die beste Filmmusik, die beste Tonmischung und der bester Tonschnitt. Man kann nicht leugnen, dass die Bilder dieses Films beeindruckend sind, schöne Landschaften sind vorhanden … Aber warum der Film für sechs Oscars nominiert ist, erschließt sich mir nicht ganz.

Das Pferd Joey aus Gefährten wird von Celine Buckens als Emilie geritten

Joey in der französischen Marmeladenidylle. Foto: David Appleby ©DreamWorks II Distribution Co., LLC, All Rights Reserved

Schon nach kurzer Zeit verfällt der Film in Kitsch und Klischees, die am Ende ihren Höhepunkt erreichen und eigentlich kaum mehr zu ertragen sind. Zum Beispiel wird Joey nach einem kurzen Intermezzo auf der deutschen Seite von einem französischen Mädchen in einer Windmühle gefunden. Sie lebt mit ihrem Großvater auf einem Hof in einer verträumten Marmeladenidylle. Hier hätte Joey sicherlich ein paradiesisches Pferdeleben führen können, doch wie es der Krieg so will wurde er wieder für militärische Zwecke eingesackt.

Ein Pferd an der Front

Leider wechseln die Darsteller sehr oft, dadurch entstehen nur unklare Charakterzeichnungen. Auch verwirrt es den Zuschauer, dass die Schauplätze und Charaktere sich oft ändern. Mitten im Film ist sehr unklar in welche Richtung sich die Story überhaupt entwickelt. Dazu wartet man vergeblich auf realistische Kriegsszenen, die Darstellung des Ersten Weltkriegs ist doch recht unblutig. Wahrscheinlich wurde FSK 12 angepeilt um auch Wendyleserinnen ins Kino zu locken. Während des 126 Minuten langen Filmes ist Fremdschämen angesagt, man fragt sich wieso Steven Spielberg so ein emotional übertriebenes Machwerk produzieren konnte. Der Film erweckt den Eindruck als wolle er in jeder Szene ein emotionales Optimum erzeugen, welches im Endeffekt doch sehr gezwungen wirkt.

Tom Hiddleston als Captain Nichols bereitet das Pferd Joey für die Schlacht vor

Tom Hiddleston als Offizier und Pferdefreund. Foto: David Appleby ©DreamWorks II Distribution Co., LLC, All Rights Reserved


Fazit: Wer einer Kombination aus Black Beauty und dem Ersten Weltkrieg nicht widerstehen kann, sollte sich nicht zügeln und ins Kino traben. Allen anderen Menschen kann man diesen Film eher nicht empfehlen.

JM

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Männer die Frauen hassen

Anmerkungen zu »Verblendung«
(»The Girl with the Dragon Tattoo«)

Karl Stieg-Erland »Stieg« Larsson war der Titel seines Roman-Erstlings sehr wichtig. »Män som hatar kvinnor« (»Männer, die Frauen hassen«) heißt »Verblendung« im schwedischen Original. Seiner Verlegerin soll der im November 2004 verstorbene Autor gesagt haben, dass sie über vieles verhandeln könnten – der Titel hingegen sei »kompromisslos«. Wir werden nicht mehr erfahren, was er über die Marketingstrategien der internationalen Verlagshäuser und deren Titel-Wahl zu sagen hätte. Oder zu der Tatsache, dass sein erster Krimi gleich zweimal verfilmt wurde. Die aktuelle US-amerikanische Version läuft seit 12. Januar hierzulande in den Kinos. Fischpott-Autorin bk hat das Remake gesehen und stellt sich so manche Frage.

Verblendung in Zahlen

Rooney Mara als "Lisbeth Salander" und Yorick van Wageningen als "Nils Bjurman" in Sony Pictures' VERBLENDUNG.

Rooney Mara als Lisbeth Salander und Yorick van Wageningen als Nils Bjurman © 2011 Sony Pictures Releasing GmbH

Im Land der ältesten Filmindustrie tun sich fremdsprachige Beiträge nach wie vor schwer. Synchronisation wird nicht gern gesehen, Untertitel erst recht nicht. Auch wenn die »Millennium-Trilogie« 17 Millionen mal über amerikanische Verkaufstresen ging, ob als Hardcover oder als ebook, konnte die Verfilmung von Niels Arden Oplev (2009) in den USA nicht punkten. Oplevs Budget von 13 Millionen brachte es weltweit auf ein Einspielergebnis von über 100 Millionen Dollar – nur war der amerikanische Markt an diesem Erfolg kaum beteiligt. Grund genug, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und mit David Fincher einen Golden-Globe-Preisträger (»The Social Network«) und Oscarnominierten (»The Curious Case of Benjamin Button«) zu engagieren. Seine Verfilmung liegt derweil in den USA auf Platz 4 der Kinocharts und hat sein 90 Millionen Dollar Budget bereits nach vier Wochen fast eingespielt. Bemerkenswert erscheint das Ganze vor allem angesichts Stieg Larssons politischer Gesinnung: Das Buch eines Kommunisten millionenfach zu verkaufen und dann auch noch zu verfilmen, wäre noch vor gar nicht so langer Zeit in den USA kaum denkbar gewesen.

Pipi Langstrumpfs Kampf gegen Rechtsextreme

Stieg Larssons Ziel war sicherlich nicht der Blockbuster. Ihm ging es um Verteidigung der Demokratie. Einem Gut, das nicht von Gott gegeben sei oder vom Himmel falle, für das jede neue Generation vielmehr begeistert werden müsse, erklärte er in der ZDF-Dokumentation »Die Stieg Larsson Story«. Mehrere Sachbücher und sein Magazin »EXPO« dokumentieren sein zu Lebzeiten ungebrochenes Engagement für Freiheit und Gleichberechtigung. Sein Buch »Extremhögern« (»Die extreme Rechte« – zusammen mit Anna-Lena Lodenius) gilt als Standardwerk über nationalsozialistische Netzwerke. Nebenbei schrieb er schon früh Krimigeschichten für Kinder. Die Idee für seine »Millennium-Trilogie« stammt aus seiner Zeit als Grafiker bei einer Nachrichtenagentur. »I picked up Pipi Longstocking. What would she be like today? What would she be called? Sociopath? … I made her into Lisbeth Salander«, zitiert Lasse Winkler den begeisterten Geschichtenerzähler einen Monat vor dessen fatalem Herzinfarkt in einem Interview. Stieg Larsson starb im Alter von 50 Jahren und konnte nie am Erfolg seiner Pipi teilhaben.

Rooney Mara als "Lisbeth Salander" in Sony Pictures' VERBLENDUNG.

© 2011 Sony Pictures Releasing GmbH

Eine ganze Generation kleiner Jungs träumte einst davon, Pipi Langstrumpf heiraten zu können. Mädchen wollten so sein wie sie. Nur wenigen, so der Autorin dieses Textes, kam Astrid Lindgrens Heldin suspekt vor. Lisbeth Salander zu lieben ist alles andere als leicht. Fast scheint es leichter, sie zu hassen. Und doch ist sie die zentrale Figur der Millennium-Trilogie, von der große Faszination ausgeht. Diese Figur für die Verfilmung angemessen zu besetzen, erschien mir als nahezu unlösbare Aufgabe. Welche Schauspielerin soll es schaffen, eine anderthalb Meter kleine, vierzig Kilo leichte Kickboxerin, eine schwersttraumatisierte Hackerin mit fotografischem Gedächtnis – frei von jeglicher Sozialkompetenz, dafür mit Faible für Tattoos und Piercings – glaubwürdig darzustellen? Noomi Rapace hatte es geschafft. Und Rooney Mara zieht mit ihr gleich. Dabei legt David Fincher den Schwerpunkt noch deutlicher auf das Mädchen mit dem Drachentattoo, gibt ihr mehr Raum, erzählt Aspekte, die bei Niels Arden Oplev verdichtet wurden. Das könnte das schlagende Argument sein, noch einmal für Verblendung ins Kino zu gehen.

James Bond als Journalist

Daniel Craig als "Mikael Blomkvist" in Sony Pictures' VERBLENDUNG.

© 2011 Sony Pictures Releasing GmbH

Daniel Craig ist es jedenfalls nicht. Die männliche Hauptrolle des Mikael Blomkvist mit dem aktuellen James Bond zu besetzen, scheint den Einspielergebnissen zwar kaum zu schaden und hat auch mich ins Kino gelockt. Und doch liegt gerade hier ein wesentliches Problem: Die ständige Assoziation mit dem Top-Spion, die sich gerade in den Action-Szenen aufdrängt, nagt doch sehr an Daniel Craigs Glaubhaftigkeit als Enthüllungsjournalist. Zudem scheint der britische Schauspieler gar nicht so recht gewusst zu haben, worauf er sich eingelassen hat: Den schwedischen Film habe er gar nicht gesehen, erzählt er in einem Interview. Auf die kulturellen Unterschiede angesprochen, beschreibt er den schwedischen Winter als dunkler als den britischen. Zu sehen auf YouTube. In einem anderen Interview antwortet er auf die Frage, welchen Körperteil er sich im Zweifel piercen lassen würde, mit einem lachenden »My cock! – Where else would you have it?«.

Dumme Fragen erfordern dumme Antworten – oder dreht sich gerade der aufrechte Kämpfer für die Gleichheit aller Menschen im Grab um? Stieg Larsson war in jungen Jahren Zeuge einer Vergewaltigung gewesen und hatte nichts unternommen, dem Opfer zu helfen. Später habe er das Mädchen um Vergebung gebeten, die sie ihm verweigerte. In der Folge schrieb er angesichts zweier Frauenmorde in Schweden das Buch »Debatten om heders mord« (»Debatte über Ehrenmord« – zusammen mit weiteren Autoren). Die Annahme liegt also nahe, dass ihm etwas mehr Ernsthaftigkeit lieb wäre angesichts seiner Geschichte, die wir alle eigentlich unter »Männer, die Frauen hassen« kennen sollten.

Heute verwalten Bruder Joakim und Vater Erland seinen Nachlass, spenden für politische Projekte. Dies mag ganz im Sinne des Aktivisten sein, der Zeit seines Lebens gegen anti-demokratische Tendenzen gekämpft und sich für politische Auseinandersetzung eingesetzt hat. »Der einzige Weg, einer politischen Kraft zu begegnen, ist mit politischer Opposition,« erklärte er noch kurz vor seinem Tod. Es ist fraglich, ob bei dem weltweiten Erfolg seiner Romane und deren Verfilmungen ein Hauch von diesem Gedankengut übriggeblieben ist. Trägerinnen der »H&M Dragon Tattoo Collection« dürfte das allerdings völlig wurscht sein.
BK

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Game of Thrones – Sex, Intrige, Mittelalter.

Noch ist alles friedlich in den sieben Königreichen. Robert Baratheon sitzt auf den Thron, das Reich ist in Sicherheit. Doch in weit entfernten Landen sammelt der Rest der Familie Tagaryen seine Kräfte, um den Thron zurück zu erobern. Und im Norden des Reiches, wo eine überdimensionale Mauer die Königslande vor allerlei bösen Kreaturen schützt, braut sich etwas zusammen.
Als dann auch noch der König stirbt und der Thron an seinen noch jungen Sohn aus dem Hause Lanister überght, droht das Reich in die Brüche zu gehen.

Tagaryens, Lanisters, Starks, Baratheons…

Und noch viele Geschlechter mehr kämpfen in „Game of Thrones“ um den eisernen Thron. In der TV-Serie kommt raus, wie gut sich die Autoren an die Romanvorlage gehalten haben. In „Song of Ice and Fire“ von George Martin wird haarklein beschrieben, welcher Protagonist von wem abstammt, welche Familie in welchen Gebieten herrscht, wer wem dient und wo was zu sagen hat. Die Folge ist eine irrwitzige Ansammlung von Protagonisten – allein in der ersten Staffel.
Sie alle intrigieren, meucheln, bezahlen, lassen sich bezahlen, regieren – versteckt im Hintergrund oder offen – führen in die Schlacht und huren rum, was das Zeug hält. Sex kommt hier tatsächlich ein bisschen stark vertreten daher.
Politik, Krieg und das Leben am Hofe, vor allem aber der heimliche Zwist zwischen den Häusern stehen natürlich im Fokus.

Verklärung und Fantasy

Was einerseits so klassisch mittelalterlich erscheint, ist natürlich eine neuzeitlich verklärte Sicht auf die früheren Verhältnisse. Hier bildet „Game of Thrones“ keine Ausnahme, bemüht sich allerdings gleichzeitig, wirklich mittelalterlich rüber zu kommen. Burgen, Schwerter, Feuerkörbe, Felle, Reiter und alles, was der aufgeklärte Bürger sich so ins Mittelalter denkt. Wer damit leben kann, lässt sich auf eine wirklich epische Geschichte und eine packende Handlung mit gut besetzten Charakteren ein. Langweilig wird es eigentlich nie, vor allem durch die vielen Ortswechsel und die parallelen Handlungsstränge. Denn noch immer schwebt das Königreich in Gefahr. Nicht nur von großen Armeen wird es bedroht. Die erste Staffel von „Game of Thrones“ lässt durchblicken, dass das Element Fantasy bald eine größere Rolle spielen soll.
Bis jetzt gibt’s nicht viel zu sehen. Hier mal ein Gerücht von Drachen vor 10.000 Jahren, die allerdings längst ausgestorben sind. Dort mal ein „Schattenwolf“ oder eine Zombiegestalt. Für Fantasy-Kenner handelt es sich eher um eine „leicht erweiterte Welt“.

GOT grüßt HDR

Der Vergleich zwischen „Game of Thrones“ und „Herr der Ringe“ wird oft gezogen. Klar, bei beidem handelt es sich um epische Fantasy. Auf dieser Ebene sei allen, die nicht genug von Tolkiens Mittelerde kriegen können, „Game of Thrones“ wärmstens ans Herz gelegt. Wer Sean Bean als grimmigen Helden Boromir in HDR mochte, wird sich freuen: Bean tritt in einer ähnlichen Rolle auf. Daneben Jason Momoa (SG-A), ein hervorragender Peter Dinklage (Narnia) und Kit Harington.

Wie von HBO gewohnt wird uns hier eine Serie mit Tiefgang vorgesetzt. Eine, die nicht mal eben Nachmittags im Pro7-Programm läuft, weil man sich nämlich auf sie einlassen muss. Das tut manchmal weh, denn Autor George Martin scheut sich nicht, Hauptcharaktere über die Klinge springen zu lassen. Das macht die Serie gleich viel authentischer und ist eine ernste Ergänzung zu den sonst auch mal grotesk komischen Einstellungen. Großes Kino mit viel Sex und Intrige, Mittelalter, herausragenden Charakteren und wirklich aufwändigem Setting.
Es sei die Anmerkung erlaubt, dass vieles von dem Lob der Buchvorlage gilt, HBO allerdings für die Umsetzung einen Blumentopf verdient hat.
FischPott sagt: Krönungsbedürftig!

JKG

Die Komplette erste Staffel Game of Thrones gibt´s auf DVD für ca. 35 Euro.
Die zweite Staffel erscheint im April diesen Jahres. Mehr dazu bei HBO.
Wer sich nen großen Spaß machen will, schaut im “Wiki of Ice and Fire” rein.

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The Muppets

Die Muppets sind zurück! Zwölf Jahre nach dem letzten enttäuschenden Kinoabenteuer „Muppets aus dem All“ gibt es ein Wiedersehen mit Kermit, Miss Piggy und Co. Ausgangspunkt ist Walter (ein neuer Muppet), der Welt größte Muppetfan. Zusammen mit seinem Bruder Gary (Jason Segel, „How I Met Your Mother“) und dessen Freundin Mary (Amy Adams, „Verwünscht“) lebt er in dem kleinen 102-Seelen Dorf Smalltown. Bei einem Urlaub in Los Angeles und einer obligatorischen Besichtigung der Muppet Studios belauscht Walter den Plan des fiesen Industriellen Tex Richmond (Chris Cooper, „American Beauty“) das alte Theater einzureißen um dort nach Öl zu bohren. Walter muss Kermit und den Rest der Muppets warnen. Als der liebenswerte Frosch von den schrecklichen Plänen erfährt lässt er sich mit etwas Motivationshilfe des Trios dazu bewegen, die alte Truppe für eine letzte Show zusammen zu trommeln. So wollen sie die dringend benötigten 10 Millionen Dollar aufzutreiben und das Studio retten.

It’s time to meet the Muppets

Für den restlichen Film besteht die Handlung vor allem aus drei Nebenplots. Da gibt es die Beziehung zwischen Mary und Gary. Mary liebt ihren Freund über alles und wünscht sich nichts sehnlicher als endlich einen Heiratsantrag. Angesichts von Garys Sorge um seinen Bruder Walter und die Muppets fühlt sie sich vernachlässigt. Walter selbst sucht im Laufe des Films seinen Platz in einer Welt, in die er bisher nicht recht reinpassen wollte. Zu guter Letzt, und zur Freude eines jeden Muppetfans, versucht Kermit nach jahrelanger Funkstille endlich Miss Piggy seine wahren Gefühle zu zeigen. Drum herum gibt es viele verrückte Einfälle von Gonzo, Fozzy und allen anderen Muppets , die immer wieder für schallendes Gelächter und manchmal sogar für eine gerade noch so weggedrückte Träne sorgen. Etwa wenn Kermit seinen langjährigen Weggefährten Fozzy findet, der in einer billigen Absteige mit der Muppet Tribute Band „The Moopets“ auftritt und dessen nicht überdachte Kabine sich im Hinterhof befindet.

It’s time to play the music

“Die Muppets” ist selbstverständlich ein fröhlicher herzerwärmender Film. Dabei gelingt es, die Trumpfkarte der alten Serie auszuspielen und nicht Kinder und Erwachsende zu unterhalten. Vor allem aber haben die Muppets ihren anarchischen Humor zurück. Wenn Gonzo sein Klempner-Imperium mit einem einfachen Druck auf den Selbstzerstörungsknopf in die Luft jagt, nur damit er mit seinen Hühnern wieder aberwitzige Stunts durchführen kann oder „per Karte“ einfach mal von Los Angeles bis nach Paris im Auto gereist wird, fühlt man sich direkt wieder in die Blütezeit dieser Chaostruppe versetzt. Ein weiteres As im Ärmel des Films sind die Witze auf Kosten der Popularität der Muppets. Die müssen nämlich feststellen, dass sie keiner mehr kennt und sie für den von Gewalt geprägten Fernsehalltag zu altmodisch sind. Außerdem sind Kermits prominente Freunde inzwischen alle tot oder nicht mehr populär genug um den Muppets zu helfen. Wie sie es trotzdem schaffen wieder ein Hit zu werden und auch die gewohnte Anzahl an Gaststars (unter anderem Neil Patrick Harris und Jack Black) wieder auftaucht ist bestes Familienkino.

It’s time to put on make-up

Das einzige Manko des Films ist, dass er sich etwas wenig auf die Muppets und dafür mehr auf Walter, Mary und Gary konzentriert. Manch ein Fan wird sich mehr Zeit für Gonzo, Rowlf, Beaker und Waldorf & Statler wünschen. Dabei ist es ein Trost, dass Jason Segel, Amy Adams und vor allem Walter sehr gut zu den Muppets passen. Erfreulicherweise verzichteten die Macher darauf, mit Walter einen „coolen“ Muppet einzuführen, wie dies zuletzt beim Rastafari Clifford in der 90er Neuauflage „The Muppets Tonight“ gescheitert ist. Walter ist ein liebenswerter Träumer und genauso trottelig und unschuldig wie Kermit, aber ohne diesen zu kopieren. Generell wird nicht versucht die Muppets für eine neue Generation zu modernisieren. Stattdessen verlässt man sich, glücklicherweise, auf die altbewährte Liebenswürdigkeit der Truppe. Vor allem hat sich nichts daran geändert, dass alle Puppen innerhalb von wenigen Sekunden mehr Charakter und Seele entwickeln als alle bis in die Haarspitzen perfekt animierten Kater, Papageien, Chamäleons oder Streifenhörnchen zusammen.

It’s the Muppet Show!

Jason Segel als Hauptdarsteller, Produzent und Mitautor und Regiesseur James Bobin haben es geschafft die Kinokarriere der Muppets wiederzubeleben. Der Film, der in den USA von einer beispiellos witzigen Kampagne an Parodie-Trailern begleitet wurde, sprüht nur so vor Witz und Gutherzigkeit. Das vorrangige Geschehen der guten Hippie-Kommune-artigen Truppe gegen den bösen herzlosen Industriellen ist dabei neben der Botschaft von Freundschaft, Selbstvertrauen und Zusammenhalt nur ein Aspekt den man bereits von den Muppets kennt und für den sie ihre Fans bereits seit Jahrzehnten lieben. Wer den Pelzpuppen schon vorher nicht viel abgewinnen konnte, wird wohl auch mit dieser Variante nicht bekehrt werden. Wer allerdings schon immer etwas für singende Frösche, fliegende Hühner und Schweine im Weltall übrig hatte, wird bei „Die Muppets“ voll auf seine Kosten kommen.
TG

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Gefangen im Deja Vu

The Prisoner returns: Nummer 6 neu aufgelegt

Am 13. Januar bringt ZDFneo die Neuauflage der britischen Kult-Serie „The Prisoner“. Deren Themen sind heute so aktuell wie vor 40 Jahren, aber trifft das auch für das Remake zu?

Eingesperrt, gedemütigt und der dringende Wunsch nach Flucht: Stoff für verschiedenste TV-Formate. Das ist mal trashig wie „Hinter Gittern – Der Frauenknast“, mal unterhaltsam wie „Prison Break“, mal entsetzlich wie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ oder ziemlich brillant wie „Lost“. Letztere Serie verdankt, wie J.J. Abrams freimütig gesteht, einen erheblichen Teil der britischen TV-Serie „The Prisoner“ von 1967. Abgesehen von der Tatsache, dass beide Serien von einem mysteriösen Ort und dem Wunsch zu Entkommen erzählen, wuchert in beiden die Erzählung in erster Linie um Leerstellen, Löcher und McGuffins. „The Prisoner“ bietet keine durchdachte und vielschichtige Meta-Narration, viel mehr ist jede Folge für sich ein kleiner Essay über Freiheit und Sicherheit, Autonomie und Opportunismus, Individuum und Gesellschaft. Die Prämisse bleibt einfach und wird jedes mal in einem, mit drei Minuten geradezu ausufernd langen Vorspann gezeigt:

Ein Unbekannter quittiert seinen Dienst bei einer staatlichen Behörde, wird daraufhin entführt und in ein idyllisches, überaus wohnliches Dorf gebracht, in dem es ihm an nichts fehlt – aus dem es aber auch kein Entkommen gibt. Wer der Mann ist, der von nun an nur noch Nummer 6 genannt wird, warum er kündigte und auf welcher Seite des kalten Krieges er stand, erfährt man nie. Ebenso bleibt offen, wer ihn entführte, was genau man von ihm erwartet („Informationen!“ – aber welche?) oder wo das Dorf liegt. Konstant sind die sture Weigerung des Gefangenen Nummer 6 zur Kooperation, sein Wille zur Freiheit und sein andauernder Kampf mit dem Dorfvorsteher Nummer 2 – ein Amt, das stets neu besetzt wird. Selbst die Auflösung der omnipräsenten Frage, „Wer ist Nummer 1?“, lässt den Zuschauer am Ende der letzten Folge ratlos zurück.

Nummer 6: Mutter der Mystery-Serien

„The Prisoner“, oder auf deutsch „Nummer 6“, war in der BRD leider nie besonders erfolgreich. Nach mehrfachen halbherzigen Anläufen als Lückenfüller im Programm diverser Sender wurden alle 17 Folgen erstmals 2010 vollständig von Arte ausgestrahlt und von Koch Media als DVD-Box veröffentlicht. Anders verhält es sich in Großbritannien und den USA, wo die Serie seit über 40 Jahren treue Anhänger hat. Angesichts des anhaltenden Erfolgs diverser Mystery-Serien, insbesondere „Lost“, und der verzweifelten Inflation von Remakes, Reboots, Relaunchs, Sequels und Prequels ist es nicht weiter verwunderlich, dass 2009 endlich auch „The Prisoner“ eine Neuauflage als Miniserie des US-Senders AMC erfuhr. Ebenso wenig überraschend erscheinen die wütenden Aufschreie enttäuschter Fans im Internet, welche die Serie bereits im Vorfeld verdammten. Am folgenden Freitag bringt ZDFneo nun das Remake erstmals im Free-TV, trotz negativer Reaktionen, verhaltener Kritiken und mäßiger Einschaltquoten im US-Fernsehen.

Jim Caviezel als Michael/Nummer 6 in The Prisoner

Michael (Jim Caviezel) wacht ohne Erinnerung in der Wüste auf (Foto: ITC Entertainment Group Limited)

Dabei ist die 6-teilige Miniserie nicht unbedingt schlecht. Tatsächlich schafft sie es, den Plot geschickt für das frühe 21. Jahrhundert zu aktualisieren. Nummer 6 ist hier nicht mehr der zwischen überlegener Coolness und animalischer Impulsivität schwankende Agent à la James Bond, sondern wirkt viel mehr wie ein getriebener, verzweifelter Jason Bourne; seine Kündigung ist kein maskuliner Wutausbruch, sondern ein schweigend an die Wand des Establishments geschmiertes Graffiti. Überraschend gut besetzt ist die Rolle mit einem Meister der leidenden Mimik: James Caviezel, der in Kevin Reynolds’ „Monte Cristo“ und Mel Gibsons „Die Passion Christi“ bereits zwei der berühmtesten Entfesselungskünstler der Literaturgeschichte darstellen durfte. Wehmütig stimmt lediglich die, zugegebenermaßen geringe Identifizierung als „Michael“ und die Andeutung einer Gehirnwäsche. Letztere rationalisiert nicht nur die mangelnde Information, die dem Zuschauer geboten wird, sondern reduziert erneut Identität und Individualität auf das Gedächtnis als Archiv persönlicher Daten.

Was für eine paradiesische Freiheitsberaubung

Am interessantesten ist jedoch, im Original wie im Remake, „das Dorf“, welches „The Prisoner“ von ähnlichen Geschichten unterscheidet. Dieses Gefängnis ist nicht etwa ein kalter, unfreundlicher Ort, der das Leben der Gefangenen zur reinen Qual macht. Im Gegenteil: in dem sauberen, wunderschönen Dorf mangelt es an nichts, für die Bewohner wird bestens gesorgt und auf jeden individuellen Wunsch eingegangen – Drehort der Originalserie ist nicht von ungefähr ein neugebautes Ferienressort. Einzig die Überwachungszentrale, die jeden der nummerierten Bewohner genau im Auge behält, trübt die Idylle; eine verstörende Mischung aus Huxleys „Brave New World“ und Orwells Überwachungsstaat. Sich wie Nummer 6 für die individuelle Freiheit und gegen Kooperation zu entscheiden heißt hier, einem denkbar angenehmen Leben zu entsagen.

Die Unterschiede zwischen dem Original-Dorf und Remake sagen dabei viel über unsere Gegenwart und die Veränderungen der letzten 40 Jahre aus. Das Dorf von 1967 präsentiert sich auf der Höhe der Zeit. Ein verspielter Neubau, die Bewohner – allesamt ehemalige Geheimnisträger in den besten Jahren – sind nach der damals aktuellen Freizeitmode der swinging sixties uniformiert. Das Setting erinnert im Ganzen an eine Pop-Art-Installation oder einen der späteren Filme der Beatles, die mit „All You Need is Love“ im Finale den Soundtrack zu einer der verstörenderen Schießereien der TV-Geschichte lieferten.

Gefangen im Stil der 50er

Das Dorf von 2009 funktioniert grundlegend anders. Die Taxis und das ansässige Diner versprühen den Charme der 50er, die Straßenzüge zitieren das heile Selbstbild der USA vor der Bürgerrechtsbewegung und Vietnam. Selbst die Wohnung des Protagonisten, eins-zu-eins im Dorf rekonstruiert, könnte eine Kulisse der Serie „Mad Men“ (ebenfalls von AMC) sein. Die Elektro-Beats des lokalen Clubs, neuere Technik und beliebig gemischte Moden der letzten 60 Jahre zeigen eine Utopie, die sich nicht mehr wie 40 Jahre zuvor an dem Neuen, an der Zukunft orientiert, sondern im Alten, im arbiträr gemischten „Retro“ erfüllt – ironisch in einer Serie, die nur eins von unzähligen Remakes der letzten Jahre ist. Die Welt 2009 ist nicht mehr zwischen zwei Systemen gespalten, die beide der euro-amerikanischen Geschichte entsprungen sind und deren Agenten ein kultureller Konsens eint. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass arabische Revolutionäre, chinesische Dissidenten oder zentralafrikanische Warlords Annehmlichkeiten dieses Dorfes sediert würden. Das Ideal einer durch die Aufklärung der westlichen Welt vereinten Gesellschaft, welches des Dorf repräsentiert, ist der Traum einer verlorenen Vergangenheit.

Ian McKellen und Jim Caviezel in The Prisoner

Foto: ITC Entertainment Group Limited

Das Ende des Kalten Krieges manifestiert sich auch in der Konzentration auf die beiden Protagonisten. 1967 war Nummer 2 nur ein Amt, das von insgesamt 16 Schauspielern verkörpert wurde, und so immer daran erinnerte, dass der Antagonist nicht die Person, sondern die Institution, das System, war – don’t hate the player, hate the game. Jenseits der Systemfragen, im Zeitalter der vermeintlichen Postideologie, wird 2009 wieder auf den Menschen, den persönlichen Konflikt als Spannungselement gesetzt. Das ist zwar hochgradig konventionell, hier aber auch ziemlich unterhaltsam. Das liegt nicht zuletzt an der hochkarätigen Besetzung. Neben James Caviezel brilliert als Gegenspieler Nummer 2 niemand geringeres als Ian McKellen, den wir einfaches Volk jenseits der englischen Bühnen insbesondere als Gandalf im „Herr der Ringe“ und Magneto in den ersten drei Filmen der „X-Men“-Reihe kennen. Heimlicher Star ist jedoch damals wie heute Rover/ das Biest, ein wabernder weißer Wasserball, der ohne erkennbare Steuerung und auf scheinbar magische Weise die Einwohner des Dorfes mit animalischen Geräuschen an der Flucht hindert. Allein die Übernahme dieses bizarren Objekts verdient, dass man auch dem Remake eine Chance gibt. Und dem Original sowieso…
LB

„The Prisoner“ (2009)
ZDFneo
Freitag 13.01., 23.20 Uhr
Trailer bei YouTube

„Nummer 6“ Box
7 DVDs
Koch Media GmbH (2010)
Trailer bei YouTube

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